Bisherige Aktivitäten


Exkursion zur mittellatènezeitlichen Zentralsiedlung in Haselbach, 27.08.2019 

Wie im vergangenen Jahr war der Arbeitskreis Eisenzeit auch heuer dazu eingeladen, die Ausgrabung der mittellatènezeitlichen Zentralsiedlung auf der Flur „Im äußeren Urban“ in Haselbach zu besuchen. Die von Prof. Mag. Dr. Peter Trebsche (Universität Innsbruck) mit Dr. Stephan Fichtl (Université de Strasbourg) geleitete Grabungskampagne fand heuer zum letzten Mal statt. Das Grabungsteam bestand aus Mitgliedern der Universität Innsbruck, der Université de Strasbourg sowie die Universität Wien.

Nach einer Zugfahrt nach Stockerau wurden wir netterweise von einem Bus der Uni Innsbruck zur Grabung gebracht, wo wir vom Grabungsleiter herzlich begrüßt wurden. Von Peter Trebsche bekamen wir eine ausführliche Führung über die heurige Grabungsfläche und wurden über die Erkenntnisse der letzten Jahre informiert.

Die diesjährige Grabung fand am Ostende der Siedlung statt, bei der es sich um eine mittelgroße Flachlandsiedlung handelt. Im geöffneten Bereich waren drei Grubenhäuser zu erkennen, inklusive einem neolithischen. An den anderen beiden Grubenhäusern wurde noch emsig gearbeitet. Das österreichische Team bediente sich der für uns gewohnten „single-layer“ Methode, während das französische Team das Grubenhaus viertelte und die jeweils schräg gegenüberliegenden Sektoren stratigraphisch ausgrub. Beide Methoden haben ihre Vor- und Nachteile, der direkte Vergleich wird auch in die Aufarbeitung einfließen und ausgewertet werden, auch mit dem Ziel, einen Leitfaden für künftige Grabungskampagnen anbieten zu können.

Peter Trebsche und ein Teil der Exkursionsteilnehmer

Neolithisches Haus. Die Löcher stammen von Proben, die in regelmäßigen Abständen entnommen wurden. Pfostenlöcher sind nur 3 erhalten.

Das österreichische Grabungsteam

Das Team aus Strasbourg

Interessant ist, dass die Siedlung nicht nur geplant angelegt, sondern offensichtlich auch eine genaue Parzellierung der Fläche vorgenommen wurde. Dies lässt sich daran erkennen, dass neue Grubenhäuser an der Stelle alter gebaut wurden. Wie auch die Jahre zuvor, so sollen auch 2019 verschiedenste Grabungs- und Analysemethoden Aufschluss über die Struktur sowie die Nutzung der einzelnen Bereiche der Siedlung geben. Tatsächlich haben die letzten Jahre gezeigt, dass es auffällige Konzentrationen unterschiedlicher Rohstoffe und Materialien in bestimmten Arealen der Siedlung gibt. Offensichtlich wurden Rohstoffe auch von weiter entfernten Gebieten importiert. Viele Proben und Analysen aus den Befunden und den Begehungszonen werden in der kommenden Zeit sicher weitere Erkenntnisse über die Siedlung bringen.

Richtung Osten war die Grabungsfläche noch um einige Meter, über den Siedlungsbereich hinaus, erweitert worden, da man auf der Suche nach einer Befestigung war, das Vorhaben verblieb jedoch ohne Ergebnisse. Scheinbar war Haselbach in der Eisenzeit nicht befestigt, auch Waffen konnten nicht geborgen werden.

Auch die Funde der diesjährigen Grabung wurden uns gezeigt. Besonders gefreut hat sich Peter Trebsche über einen länglichen Würfel, wie er in keltischen Siedlungen immer wieder, sogar mit flachen Kieselsteinen vergesellschaftet gefunden wird. Leider weiß man bis heute nicht, nach welchen Regeln dieses Spiel genau gespielt wurde. Wäre das nicht ein interessantes Forschungsprojekt für die Zukunft?

Bei den Tierknochen dürfte es sich laut Peter Trebsche um Schlachtabfälle handeln. Dass es den Bewohnern der Siedlung wirtschaftlich gesehen gut ging, beweist auch die Tatsache, dass die Essensabfälle an Hunde verfüttert wurden.

Die Frage, warum die Grabungskampagne in Haselbach nach 5 Jahren Arbeit nun endete, da noch lange nicht alles gegraben wurde, wurde damit beantwortet, dass es wichtig sei, im richtigen Moment den Schlussstrich zu ziehen, um mit der Aufarbeitung zu beginnen, da nur publizierte Ergebnisse die Archäologie als Wissenschaft weiterbringen. Oftmals erleben wir ja das Problem, dass die Funde in Depots landen und damit wertvolle Informationen verloren gehen.

Wir erwarten mit großer Vorfreude den kommenden Gesamtbericht und freuen uns auch bekanntgeben zu dürfen, dass Peter Trebsche am 28.11.2019 an unserem Institut einen Vortrag mit dem Titel: „Was Sie schon immer über Grubenhäuser wissen wollten: Latènezeitliche Architektur und ihre Nutzung am Beispiel des Siedlungszentrums von Haselbach (NÖ)" (genauere Informationen folgen) halten wird. Im Postcolloquium werden alle Interessierten sicherlich die Gelegenheit haben, noch mehr Informationen über die Grabungskampagnen zu erhalten.

Frostspuren im Lössboden

Peter Trebsche beim Zeigen der Funde, hier mit dem "Würfel"

Unter den Funden befand sich auch ein gut erhaltender Pferdeschädel, der noch von einer Archäozoologin zu untersuchen ist.

Proben aus einem Grubenhaus

Proben aus einem Grubenhaus


Vortrag von Dr. Kerstin Kowarik und Mag. Hans Reschreiter auf Einladung des AK Eisenzeit, 11.04.2019

Hallstätter Beziehungsgeschichten:
Mensch – Bergbau - Umwelt

Als 2. Teil der Vortragsreihe zu unserem Jahresthema Salzwelten Eisenzeit durften wir Dr. Kerstin Kowarik und Mag. Hans Reschreiter sehr herzlich am Institut für Urgeschichte und Historische Archäologie begrüßen. Mit ihrem Vortrag zum Thema „Hallstätter Beziehungsgeschichten: Mensch – Bergbau - Umwelt“, ermöglichten sie uns einen spannenden Einblick in die Welt der prähistorischen Bergleute von Hallstatt.

Hans Reschreiter ist im Naturhistorischen Museum Wien als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig. Seit 2001 leitet er die Ausgrabungen und Forschungen des prähistorischen Salzbergwerks von Hallstatt. Des Weiteren arbeitet er bei vielen Projekten rund um Hallstatt mit, so leitet er seit 2012 das Sparkling Science-Projekt Hallstatt „Holz für Salz“. Ein wichtiger Teil seiner Arbeit besteht auch in der Öffentlichkeitsarbeit für die Hallstatt-Forschung. „Archäologie am Berg“ ist eine jährliche Didaktik- und Öffentlichkeitsveranstaltung der Hallstatt-Forschung auf dem Hallstätter Salzberg, eine Veranstaltung, die wir sehr empfehlen möchten.

Kerstin Kowarik war nach zahlreichen Ausgrabungen in Ägypten, Burkina Faso, Deutschland, Frankreich und Österreich von 2002–2009 freie Dienstnehmerin der prähistorischen Abteilung im Naturhistorischen Museum Wien. Nun ist sie Projektleiterin und war in dieser Funktion von 2010–2012 für das Projekt „Hall-Impact: Disentangling climate and culture impact on prehistoric alpine cultures“ verantwortlich. Seit 2017 leitet sie das Projekt „FACEALPS - 3500 Years of man-environment interrelations in the UNESCO World Heritage region of Hallstatt-Dachstein/Salzkammergut“.

Mit einem sehr bildreichen und humorvollen Vortrag stellten die Vortragenden ihre Forschungsergebnisse zu der Frage vor: „Wie haben die Menschen über tausende von Jahren hinweg die Hallstätter Region beeinflusst?"

Um uns in das Thema einzuführen, erläuterte Hans Reschreiter die Forschungsgeschichte des Bergwerks und dessen Umgebung. Die Bedeutung des prähistorischen Bergbaues wird damit unterstrichen, dass es nur weltweit drei Fundstellen dieser Art gibt, nämlich in Dürrnberg, im Iran und Hallstatt. In Hallstatt konnten schon seit dem Neolithikum Besiedlungspuren in Form von Steinwerkzeugen nachgewiesen werden. Ab der Mittelbronzezeit begann dann der Bergbau, zog sich über die Eisenzeit hinaus in eine Epoche, in welcher die Römer in Hallstatt an der Macht waren. Durch die großartige Konservierung verschiedenster Funde im Salz konnte die Lebensweise der Hallstätter Bergleute sehr gut rekonstruiert werden.

Zu den perfekt erhaltenen Funden zählen etwa Rucksäcke, Schuhe, Textilien und Werkzeuge, aber auch Essensreste und Koprolithen. Bemerkenswert bei diesen Funden ist, dass die Geräte und Werkzeuge dem Anschein nach regionsspezifisch angefertigt wurden. Es konnten keine Überschneidungen mit den Kupferabbauwerkzeugen der nahegelegenen Bergwerke ausgemacht werden, obwohl ein reger Güteraustausch mit diesen stattgefunden haben muss. Ja, die Hallstätter machten Vieles anders und waren wirtschaftlich gesehen sehr erfolgreich, was die reichen Funde aus den Gräbern der älteren Eisenzeit belegen.

In der langen Geschichte von Hallstatt konnten mehrere Verschüttungen des gesamten Bergwerkes festgestellt werden, was jedoch in keinem Fall das Ende der Besiedelung bedeutet hat. Man vermutet, dass neben den Bewohnern von Delphi die Hallstätter die reichste Gesellschaft der älteren Eisenzeit darstellten. Faszinierend dabei ist, dass die Menschen von Hallstatt weiterhin im Bergwerk arbeiteten und ihren Reichtum nicht auskosten konnten, was anhand ihrer Knochen sichtbar wurde. Beinahe jedes Skelett wies starke Belastungsspuren auf. Anhand anthropologischer Untersuchungen kann heute festgestellt werden, dass bereits Jugendliche im prähistorischen Bergwerk tätig waren. Die Belastungsspuren geben eindeutig Aufschluss auf die Art der Tätigkeiten, welche Männer, Frauen und Kinder ausführten. Doch die Skelette weisen auch auf Krankheiten, bspw. Entzündungen, hin, unter denen viele prähistorische Bergleute litten.

Wie haben die Menschen nun die Hallstätter Region, die Landschaft, beeinflusst? Wie können wir ihre Spuren auch heute noch feststellen?

Kerstin Kowarik stellte das aktuelle Forschungsprojekt „Facealps: 3500 Jahre Mensch-Umwelt-Beziehung rund um den Hallstättersee“ vor. Mit modernsten Analysemethoden wurden das am Berg befindliche Moor sowie die Seesedimente des Hallstättersees untersucht. Mit Hilfe eines Fächerecholots wurde ein hochauflösendes Tiefenmodell des Hallstätter Sees angefertigt. Dieses Modell ermöglicht die genaue Darstellung von Felsstürzen, Massenbewegungen etc. Im Hochtalmoor Siegmoos wurden Bohrungen durchgeführt, welche pollenanalytisch untersucht wurden.

Die Hallstätter Landschaft, Foto: D. Brandner, NHM Wien

Bohrplattform im Einsatz, Foto: NHM Wien

Bohrkern, Foto: S. Lauterbach, UIBK

Sedimentprobe aus dem Hallstätter See, Foto: K. Kowarik NHM Wien

Historische Berichte und Karten sowie geochemische Analysen ergänzen das Bild der Region. So konnte der Einfluss des Menschen in die Umwelt rund um das Bergwerk untersucht werden. Offensichtlich steht die Umweltveränderung in einem engen Zusammenhang mit einem Umbruch bei der Organisation und einer zunehmenden Kontrolle der Landschaft durch die prähistorischen Menschen.

So verwirrend die Pollenananlysen auf den ersten Blick erscheinen mochten, so deutlich wurde den Zuhörern allmählich, wie sich die Landschaft tatsächlich veränderte, da der Druck auf die Ressourcen enorm war. Der für den Bergbau zweifelsohne hohe Holzbedarf beispielsweise schlägt sich tatsächlich in einer großen Reduktion des Baumbestandes nieder, vergleichbar mit derjenigen, die wir aus dem Mittelalter kennen.

Am Ende der Präsentation bekamen wir noch einen bemerkenswerten Einblick in das neueste Projekt von Hallstatt. Ab Mai 2019 wird es den Besuchern ermöglicht, mit Hilfe von Virtual Reality Brillen selbst in das Bergwerk einzutauchen und sich mitten im Geschehen zu befinden.

Im Anschluss an den Vortrag hatten die Zuhörer im Rahmen eines Postcolloquiums die Möglichkeit, den beiden Vortragenden weitere Fragen zu stellen. Der Abend konnte damit in einer sehr angenehmen Atmosphäre ausklingen.

Wir danken Kerstin Kowarik und Hans Reschreiter für einen überaus abwechslungsreichen und interessanten Vortrag und wünschen ihnen für ihre weiteren Forschungen und Auswertungen alles Gute!

Hier erfahrt ihr mehr über die prähistorische Bergwelt von Hallstatt und das Projekt „Facealps“:

https://facealps.com
https://www.nhm-wien.ac.at/hallstatt

 

Ein überaus netter Ausklang nach einem überaus lehrreichen Abend, vielen Dank! Prost!


Vortrag von Dr. Karin Wiltschke-Schrotta auf Einladung des AK Eisenzeit, 08.01.2019

Der Dürrnberg bei Hallein - Ein Zentrum keltischer Kultur am Nordrand der Alpen: Die Menschen vom Dürrnberg.

Foto: https://www.nhm-wien.ac.at/karin_wiltschke-schrotta

Am 8. Jänner 2019 war es endlich soweit: Am Institut für Urgeschichte und Historische Archäologie fand der erste von uns organisierte Vortrag statt. Im Rahmen unseres Jahresthemas Salzwelten Eisenzeit konnte der Arbeitskreis Dr. Karin Wiltschke-Schrotta für einen spannenden Vortrag über die Menschen vom Dürrnberg gewinnen.

Karin Wiltschke ist seit 1995 am Naturhistorischen Museum in Wien als Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Kuratorin der Röntgenbildsammlung sowie der osteologischen Sammlung (national) angestellt. Außerdem ist sie seit kurzem Leiterin der Anthropologischen Abteilung im NHM. Sie hat in vielen Projekten zur Untersuchung menschlicher Skelette quer durch die Epochen mitgearbeitet und viele Ausstellungen geplant, koordiniert und betreut.

An dieser Stelle möchten wir Sie/euch daher gerne auf die aktuelle und sehr spannende Ausstellung im NHM „Krieg. Auf den Spuren einer Evolution“ hinweisen, die in Zusammenarbeit mit dem Landesmuseum für Frühgeschichte Halle entstanden ist.

Ihre Liebe zu Osteologie, Paläopathologie und Gräberfeldanalysen (Forschungsschwerpunkte) hat man in Karin Wiltschkes Vortrag gut erkennen können, ebenso wie ihre langjährige Erfahrung mit Öffentlichkeitsarbeit und als Lehrbeauftragte. Ihr Vortrag war nicht nur sehr informativ, sondern auch sehr lebendig und anschaulich gestaltet, immer mit einer Brise Humor an der richtigen Stelle.

Die Erforschung des Dürrnbergs, der die Kelten des 5.-3. Jahrhunderts v. Chr. durch den Salzabbau zu großem Reichtum kommen ließ, führte bisher zu Erschließung von 350 Gräbern mit über 600 Individuen. Dabei werden die regional auseinander liegenden Gräberfelder anthropologisch wie archäologisch einzeln untersucht, wobei die Ergebnisse anschließend in den seit 2012 veröffentlichten Bänden der Dürrnberg-Forschung publiziert werden.

Als größtes Problem und daher größte Herausforderung stellte sich für Karin Wiltschke der Zustand der Gräber heraus. Abgesehen von der teilweisen Zerstörung der Skelette durch sauren Boden, kam es immer wieder zu Einbrüchen der Grabanlagen und damit zur Zerstörung der menschlichen Überreste. Die teils verlorengegangenen oder unvollständigen Grabungsberichte der Archäologen machten die Arbeit nicht unbedingt einfacher. Leider können viele Individuen nicht mehr eindeutig bestimmt werden.

Immer wieder betonte die Vortragende daher, wie wichtig eine Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen ist, vor allem der Archäologie und der Anthropologie, um sich gemeinsam der Analyse und Auswertung der Gräber anzunähern. Oft fehlen der Anthropologin vollständig erhaltene Knochen zur Alters- bzw. Geschlechtsbestimmung sowie den Archäologen Grabbeigaben fehlen, um Aussagen bspw. über die Zahl der Individuen treffen zu können.

Als bemerkenswert stellte Frau Wiltschke die reich ausgestatteten Gräber, darunter auch zahlreiche Kindergräber, heraus. Lediglich die Kinder bis zu einem Alter von 1 Jahr fehlen. Ansonsten wurden die Kinder sehr wohl mit den Erwachsenen beigesetzt. Wo und wie die Neugeborenen beigesetzt wurden, ist noch offen und als zukünftige Forschungsfrage sicherlich äußerst interessant.

Durch die erstmals für diesen Vortrag gegenübergestellten Auswertungen der einzelnen Gräberfelder haben sich viele neue Fragestellungen ergeben, sei es, dass die auffallend hohe Anzahl von Eckzahnfehlstellungen eventuell genetisch bedingt ist, sei es, dass die Individuen vom Dürrnberg bei weitem nicht die körperlichen Abnutzungserscheinungen zeigen wie dies in Hallstatt der Fall ist. Wo sind daher die Individuen bestattet, die im Bergwerk gearbeitet haben? Wurde eine andere Abbautechnik angewandt?

Interessant waren schließlich auch die Ausführungen über verschiedene Verletzungen und Mangelerkrankungen, wie Schmelzhypoplasien, die bereits im Alter von 4 – 5 Jahren auftraten. Verschiedene Missbildungen sowie zahlreiche latènezeitliche Trepanationen, darunter auch Mehrfach- und Schnitttrepanationen konnte Karin Wiltschke bisher nachweisen. Dass die Menschen vom Dürrnberg verschiedene Größen von Kreisbohrern kannten, beweisen die Amulette aus menschlichen Schädelknochen, sogenannte Rondelle, die bereits international Aufsehen erregt haben.

Der Vortrag wurde durch informative Details zur Geschlechts- und Altersbestimmung ergänzt sowie durch die interessanten Ausführungen zur Entstehung der jährlich publizierten Bände der Dürrnberg-Forschung.

Wir danken Karin Wiltschke für einen überaus abwechslungsreichen und interessanten Vortrag und wünschen ihr für ihre weiteren Auswertungen und Publikationen alles Gute!

 

Wer mehr über den Dürrnberg erfahren möchte, kann die Bände der Dürrnberg-Forschung z.B. in der Bibliothek des Instituts für Urgeschichte und Historische Archäologie studieren oder unter folgenden Links weiterlesen:

www.salzwelten.at/de/hallein/bergwerk/geschichte/
www.keltenmuseum.at


Tagung „Interpretierte Eisenzeiten VIII“ - 8. Linzer Gespräche zur interpretativen Eisenzeitarchäologie, 15. – 17.11.2018

Mitte November nutzten einige Mitglieder des Arbeitskreises die Gelegenheit, bei den 8. Interpretierten Eisenzeiten in Linz teilzunehmen und uns neue Impulse und Ideen für den Arbeitskreis zu holen. Wir begaben uns bereits am Vorabend der Tagung nach Linz, um möglichst früh am Schlossberg einzutreffen. Der „Mission Linz“ stand damit nichts mehr im Weg.

Nach einer recht abenteuerlichen Fahrt im Nebel am Vorabend der Tagung, zeigte sich Linz in den folgenden Tagen von seiner sonnigsten, wenn auch kalten Seite.

Von Jutta Leskovar, die gemeinsam mit Raimund Karl auch diese 8. Tagung erfolgreich organisierte und leitete, wurden wir herzlich willkommen geheißen. Die Tagung selbst fand im Schlossmuseum statt, welches Altes und Neues verbindet, nicht nur den Inhalt der Ausstellung betreffend, sondern auch hinsichtlich seiner alten und neuen Bausubstanz.

Die Verbindung bzw. Gegensätzlichkeit von Alt und Neu zog sich auch durch die kommenden 3 Tage, in denen wir Einblick in aktuelle und gängige Forschungsergebnisse und -methoden erhielten. Interessant war auch zu beobachten, wie neue Forschungsansätze allmählich ältere verdrängen, was teilweise zu recht lebhaften Diskussionen geführt hat.

Die auf Deutsch und Englisch gehaltenen Vorträge hatten die unterschiedlichsten Themen und Regionen (Österreich, Deutschland, Wales, Böhmen) zum Inhalt. Neben Forschungsergebnissen zu alten und neuen Bestattungsplätzen sowie bekannten Siedlungsplätzen (Fließ, Frög, Unlingen), erhielten wir Einblick in eisenzeitliche Befestigungsanlagen sowie in Erkenntnisse über die Übergangshorizonte zur Bronzezeit bzw. Römischen Kaiserzeit. Andere Themen waren eisenzeitliche Metalldeponierungen, der Salzhandel, aber auch neue Erkenntnisse über die Rätische Kultur sowie die Villanovakultur.

Besonders interessiert haben wir uns für technische Analysemethoden in der Siedlungs- und Objektforschung (z. B. Phosphoranalysen, Restaurationsmethoden, Bohrungen, Rekonstruktionen) sowie neue Präsentationsmöglichkeiten in der virtuellen Archäologie.

In diesem Zusammenhang sind uns vor allem 2 Vorträge in Erinnerung geblieben. In dem einen ging es um neue Konstruktionsprinzipien von urgeschichtlichen Häusern (Wencke Elbert, Dipl.-Ing. Architektin und Markus Reßmann, Zimmermeister & geprüfter Restaurator), welche durchaus dazu führen könnten, so manche Rekonstruktion zu überdenken.

Sehr fesselnd waren auch neue Forschungen zur Hallstatt-Dachstein Region (Kerstin Kowarik, NHM), welche die Einwirkung des Menschen zum Gegenstand der Untersuchung machen und völlig neue technische Analysemethoden verwenden.

Hervorzuheben ist schließlich das sogenannte „table game“, bei dem einige Kurzvorträge hintereinander gehalten wurden, um den Zuhörern anschließend die Gelegenheit zu geben, mit den einzelnen Vortragenden an kleinen runden Tischen über deren Inhalt zu diskutieren. Die Diskussionen waren - auch während der gesamten Tagung - lebhaft, ehrlich und zeigten, dass Altbewährtes hinterfragt wird.

Im Rahmen der Tagung hatten wir freien Zugang zu den Ausstellungsräumen und konnten unsere freie Zeit auch dazu nutzen, Linz bei Tag (z. B. am Christkindlmarkt) und bei Nacht (vgl. das Foto der Ars Elekrtonica bzw. in diversen Lokalen) besser kennenzulernen.

Besonders haben wir jedoch die Gespräche mit den zahlreichen Vortragenden und Besuchern der Tagung genossen, sowohl in den Pausen, in denen wir mit Kaffee und Gebäck bestens versorgt wurden, als auch beim Empfang im Schlossmuseum am Donnerstagabend, wo wir bestimmte Themen vertiefen und Vortragende für die ÖGUF gewinnen konnten.

Alles in allem waren die 8. Linzer Gespräche eine sehr interessante Erfahrung für den Arbeitskreis. Wer sich für den Inhalt der Vorträge interessiert, hat die Möglichkeit, den Tagungsband bei uns (wohl ab Frühling) zu bestellen.


Workshop 'Diversity of Identities in Prehistory, Early History and Presence' in Nitra, Slowakei, 29. - 30.10.2018

Von 29. bis 30. Oktober 2018 hatten wir die Ehre, an dem internationalen Workshop Diversity of Identities in Prehistory, Early History and Presence, welcher von Peter C. Ramsl und Branislav Kovár in der Akademie der Wissenschaften des Archäologischen Instituts in Nitra organisiert wurde, teilzunehmen. Es handelte sich dabei um die Abschlusskonferenz anlässlich Peter Ramsls SASPRO Projektes über „Male Identities in La Tène period cemeteries in the Middle Danube area“. Zu allererst möchten wir vor allem ihm danken, uns die Möglichkeit gegeben zu haben, in Nitra mit dabei zu sein!

Nach einer amüsanten Anreise mit dem Bus von Wien nach Nitra wurden wir nicht nur von herrlichen 20 Grad Celsius, sondern auch von den schon anwesenden Workshop Teilnehmern herzlich willkommen geheißen. Der Workshop selbst fand in einer sehr angenehmen Atmosphäre statt und ermöglichte uns, aktuelle Forschungsarbeiten aus der Slowakei, Böhmen, Mähren, Ungarn, aber auch Kroatien und Bulgarien kennenzulernen.

Dabei zeigte sich, wie viele unterschiedliche Zugänge es zu dem Thema „Identität“ gibt, von theoretischen Ansätzen zur Definition des Begriffes „Identität“ bis hin zu praktischen Überlegungen, wie oder inwieweit aus den materiellen Hinterlassenschaften der Urgeschichte Rückschlüsse auf die Identität eines Individuums bzw. einer Gruppe/Kultur gezogen werden können. Bei vielen Forschungsarbeiten ging es dabei vor allem um die Frage nach der Geschlechtsidentität bzw. die sozialen Rollen der Individuen.

Trotz der unterschiedlichen Forschungsarbeiten hat sich letztlich immer wieder gezeigt, dass es prinzipiell sehr wichtig ist, bei der Wahl verschiedener Termini auf deren Bedeutung und Verwendung zu achten, um entsprechende Aussagen treffen zu können bzw. auch einen wissenschaftlichen Vergleich zu ermöglichen.

Letztlich ist bereits der Begriff Identität schon schwierig zu definieren, da es, wie Hrjove Potrebica (Unversity of Zagreb) deutlich gezeigt hat, verschiedenste Identitäten eines Menschen gibt und es ungeheuer schwer ist, aus einem Grabinventar Rückschlüsse auf das Individuum bzw. (s)eine Kultur zu treffen. Auch Katharina Rebay-Salisbury (OREA, Österreichische Akademie der Wissenschaften) hat in einer Zusammenfassung betont, dass wir uns nicht nur auf die materiellen Hinterlassenschaften, sondern viel mehr auch auf Lebensprozesse, „lifecycles“ konzentrieren sollten, um mögliche Identitäten ableiten zu können.

Ohne Zweifel gibt es in diesem Bereich noch viel Forschungsarbeit zu leisten und daher wollen wir unseren Bericht gerne mit einem Zitat von Hrjove Potrebica abschließen:

„Now we know that we don`t know."

Es war eine großartige Erfahrung, über die Landesgrenzen hinauszuschauen und etwas über die Ergebnisse der Forschungsarbeiten unserer östlichen Nachbarn zu erfahren.

 

Mehr Infos über das Projekt Male Identities in La Tène period cemeteries in the Middle Danube area von Peter Ramsl gibt es hier.


Exkursion 20.8.2018 - Die mittelgroße mittellatènezeitliche Zentralsiedlung von Haselbach

Vor Kurzem besuchten wir im Zuge unserer ersten Exkursion als neugegründeter Arbeitskreis Eisenzeit die aktuelle französisch-österreichische Forschungsgrabung von Prof. Dr. Stephan Fichtl (Université de Strasbourg) und Dr. Peter Trebsche (Donau-Universität Krems) in Haselbach. Begleitet wurden wir von Mag. Dr. Peter Ramsl, der den Arbeitskreis Eisenzeit unterstützt und berät.

Vor Ort erwartete uns eine staubtrockene Grabungsfläche, in der das Grabungsteam, der Hitze trotzend, die verschiedenen Befunde, darunter Grubenhäuser, Speichergruben und einen möglichen Brunnen ergrub. Begrüßt wurden wir von Peter Trebsche, der uns anschließend über die Grabungsfläche führte, uns über die Ergebnisse der vergangenen und diesjährigen Kampagnen berichtete und uns die angewandten Grabungs- und Analysemethoden erklärte. Aber eins nach dem anderen.

Diesen August fand in Haselbach die vorletzte von fünf Grabungskampagnen (2015–2019) zur Erforschung der mittelgroßen mittellatènezeitlichen Zentralsiedlung auf der Flur „Im äußeren Urban“ statt. Eines der Ziele dieses internationalen Projektes ist es, die Funktion und die Nutzung der Bereiche und Strukturen der Siedlung (z.B. der Grubenhäuser) mithilfe von verschiedensten Grabungs- und Analysemethoden zu klären. Dafür werden unter anderem zahlreiche Proben aus den Befunden und den Bereichen zwischen den Strukturen genommen. So konnte zum Beispiel für ein Grubenhaus in seiner letzten Benützungsphase die Funktion als Schaf- und Ziegenstall nachgewiesen werden.

In den kommenden Jahren sollen die verschiedenen Proben und das viele Material fertig analysiert und zusammen mit den Grabungsergebnissen in einer Gesamtmonographie publiziert werden.

 

Wer die spannende Forschungsgrabung in Haselbach vor Ort besichtigen will, hat nächstes Jahr im August die letzte Chance dazu. Anmeldungen werden bei Dr. Trebsche gerne entgegen genommen. Wir werden auf jeden Fall wieder vorbeischauen!

 

 

Hier noch ein Link zu den bisherigen Grabungsberichten von Peter Trebsche auf Academia:

https://urgeschichte.academia.edu/PeterTrebsche/Excavation-Reports